Weltuntergangsstimmung

002(Foto: Tobias Wagner)

Paul Koch
– Geboren am 23.09.1947 in Langenaltheim/Bayern
– Volksschulabschluss
– Lehre als Starkstromelektriker / Abschluss Gesellenbrief
– Arbeiten in unterschiedlichen Branchen
– Vom Gemeindehelfer zum Diakon / zweiter Bildungsweg (Kirchengemeinde Weddel/Schapen)
– Propsteijugendwart (Propstei Schöppenstedt)
– Landesgeschäftsführer für Männerarbeit (Ev.-luth. Landeskirche Braunschweig)
– Sozialdiakon (Propstei Schöppenstedt)
– Seit 1.11.2012 (Un-) Ruhestand

***
Im Zusammenhang mit der Tschernobyl-Katastrophe erinnere ich mich an viele Ereignisse, Meldungen und Diskussionen. Vor allem die folgenden 5 Punkte waren für mich sehr nachhaltig und prägend. Sie beschäftigen mich bis zum heutigen Tage:
1) Die allgemeine Informationspolitik
2) Die Weltuntergangs-Stimmung (vor allem der Kollegen mit Kleingarten)
3) Das kontaminierte Molke – Pulver, das per Bahn kreuz und quer durch Deutschland fuhr und keine Abnehmer fand
4) Die verunsicherte Zeltlager-Vorbereitung und Durchführung
5) Mit dreijähriger Verspätung: Der Hilferuf belarussischer Ärzte löste eine Solidaritätsbewegung aus, die bis heute anhält.

Zu 1) Heute ist es üblich, dass man per Internet und Fernsehen innerhalb von Stunden oder gar Minuten von Katastrophen aller Art informiert wird – manchmal kann man ein Unglück sogar live miterleben (z.B. Fukushima, oder der Anschlag auf das World Trade Center/ New York). Von der Katastrophe im Lenin-Kraftwerk bei Tschernobyl hat man über die Medien erst mit einer Verzögerung von ein paar Tagen erfahren. Dies lag vor allem daran, dass das Unglück von sowjetischer Seite hätte ganz und gar vertuscht werden sollen. Angeblich hat ein amerikanischer Satellit das Unglück wahrgenommen und aufgezeichnet. In Schweden hat man stark erhöhte radioaktive Werte gemessen und zunächst ein Unglück bei einem der schwedischen Kernkraftwerke vermutet. Nachdem innerschwedische Recherchen ein Unglück in Schweden ausschließen konnten, wurde weltweit nachgeforscht. Die Sowjetunion bestätigte dann (zögerlich und verharmlosend) einen „Zwischenfall“ im Kernkraftwerk Tschernobyl. Dann verbreitete sich aber die Nachricht sehr schnell. Nun wurden auch in Deutschland stark erhöhte radioaktive Werte festgestellt. Warnungen bezüglich frisch Geerntetem oder bald zu erntendem Obst und Gemüse wurden herausgegeben. Kinder sollten sich in geschlossenen Räumen und bei geschlossenen Fenstern aufhalten. Der Weg zum Kindergarten oder zur Schule sollte möglichst nicht zu Fuß und schon gar nicht über Wiesen führen. In Kindergarten und Schulen waren die Pausenhöfe tabu.
Allerdings gab es auch bei uns Stimmen, die zur Beruhigung beitragen sollten. Allen voran unser damaliger Bundesinnenminister Zimmermann, der sinngemäß sagte: „Tschernobyl liegt 1500 km von uns entfernt – was soll da zu uns gekommen sein?“

Zu 2) Ich kann mich sehr gut an meine Kollegen erinnern, die in ihrem Kleingarten Kartoffeln, Salat, Tomaten und anderes angepflanzt hatten. Auf Grund der radioaktiven Wolke über Deutschland waren die Kleingärtner aufgerufen, zur Sicherheit am besten alles selbst Angepflanzte einfach umzugraben. Sich vorzustellen, was das für Menschen bedeutet, die gerne auf billige Lebensmittel aus dem Supermarkt verzichten, weil sie eben wissen, dass ihre selbstangebauten Lebensmittel weitgehend frei von Schadstoffen sind und zudem besser schmecken, dazu braucht es nicht viel Fantasie. Hier spürte ich eine Weltuntergangs-Stimmung, wie ich sie zuvor noch nie erlebt habe.

Zu 3) Die Kühe in Deutschland haben das kontaminierte Gras gefressen, noch bevor sie von der Weide genommen werden konnten. Sie produzierten kontaminierte Milch und im weiteren Verwertungsprozess kontaminierte Molke. Es gab fast keinen Tag, an dem man in der Zeitung nichts über die mit kontaminierter Molke gefüllten Bahnwaggons lesen konnte. Die üblichen Abnahmestellen wollten die kontaminierte Molke nicht und mehrere Bürgermeister hatten sich dafür eingesetzt, dass die Waggons erst gar nicht auf ihren Güterbahnhof kamen. Das kontaminierte Molke – Pulver, das per Bahn kreuz und quer durch Deutschland fuhr und keine Abnehmer fand, brannte sich ins Gedächtnis ein. Siehe auch:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13522228.html und http://www.merkur.de/lokales/ebersberg/landkreis/molke-nach-wolke-erinnerungen-einen-gueterzug-1171101.html

Zu 4) Von 1980 bis 1994 war ich Propsteijugendwart in der Propstei Schöppenstedt innerhalb der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig. Zu meinen Aufgaben gehörte es, für und mit Jugendlichen Aktionen vorzubereiten und durchzuführen, zum Beispiel das jährlich stattfindende Pfingstzeltlager für Kinder im Alter von 6 – 12 Jahren. Die Pfingstferien (meist Ende Mai/Anfang Juni) sind die ersten Ferien im Jahr, in denen man mit so gutem Wetter und Sonnenschein rechnen kann, dass man gut im Freien Aktionen durchführen kann. Das Konzept ging von drei gemeinsamen, mit viel Programm gefüllten Tagen inkl. zwei Übernachtungen in Mannschaftszelten aus. Jedes Jahr wurden ca. 20 Jugendliche in Wochenend-seminaren geschult und darauf vorbereitet, dass sie anschließend (möglichst selbstständig) in der Kinder- und Jugendarbeit mitarbeiten. Das erste Praxisfeld war dann das Pfingstzeltlager, an dem stets bis zu 100 Kindern teilnahmen. Diese bewährte Kinder- u. Jugend-Aktion war im Jahre 1986 in der aktiven Vorbereitungsphase, als die Nachricht vom Tschernobylunfall uns alle sehr erschreckte: Was sollte nun mit dem geplanten Zeltlager geschehen, wenn sich die Kinder in geschlossenen Räumen aufhalten sollten? Zur weiteren Verunsicherung trug die verharmlosende Meinung des Innenministers bei. Intensiv beschäftigten sich alle Jugendwarte der Ev.-luth. Landeskirche Braunschweig (wie wohl auch in anderen Kirchen und Kommunen) mit der Frage: Können wir das geplante Zeltlager guten Gewissens, und ohne die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen aufs Spiel zu setzen, durchführen? Wer sollte diese Frage beantworten? Wir waren alles Fachleute auf dem Gebiet von Soziologie, Psychologie und Theologie, aber eben keine Fachleute für Medizin oder Strahlenschutz. Ich erkundigte mich im benachbarten Gesundheitsamt. Eine gute Bekannte war als Ärztin die Leiterin des Gesundheitsamtes. Ihr trug ich am Telefon meine Fragen vor. Am Schluss einer langen Information über Radioaktivität fiel der Satz: „Wenn du darauf achtest, dass die Kinder nicht aus Pfützen trinken und kein Gras essen – dann kannst du das Zeltlager durchführen!“ Darauf werde ich wohl achten können, dachte ich und überlegte, ob ich je ein Kind gesehen hätte, das aus Pfützen trinkt.
Ich führte das Zeltlager wie geplant durch. Allerdings waren es um die Hälfte weniger Kinder als sonst. Die Eltern waren eben auch verunsichert und haben sich wohl für das geschlossene Gebäude – also Ferien zu Hause – entschieden.
Diese intensive Beschäftigung mit der Frage, ob möglicherweise die Kinder bei dem Aufenthalt im Freien einer Gefahr ausgesetzt wären, war sehr nachhaltig und einprägsam. Heute, fast 30 Jahre später (und mit dem Wissen von heute), bin ich sehr unsicher, ob die Durchführung des Zeltlagers damals die richtige Entscheidung war.

Zu 5) Mit dreijähriger Verspätung wurde die belarussische Öffentlichkeitdarüber informiert, dass Belarus stärker als die Ukraine (dem Standort des Leninkraftwerkes) von der Tschernobyl-Katastrophe betroffen war (70 % des Fallout gingen durch die damalige Windrichtung in Belarus nieder). Belarussische Ärzte brachen ihre Schweigepflicht (alles im Zusammenhang mit der Havarie in Tschernobyl unterlag dem Militär, also der militärischen Geheimhaltung) und berichteten von riesigen Probleme in den Krankenhäusern. Sie klagten nicht nur über die Überfüllung, sondern auch über extrem schwere Erkrankungen als Folge der Tschernobylkatastrophe. Zudem fehlten Medikamente und ausreichend viele Diagnostikgeräte. Es musste gehandelt werden. Offizielle, internationale Hilfe blieb aus, weil der Sowjetunion nach wie vor daran lag, das Problem möglichst klein zu reden und sie mit der internationalen Atomenergiebehörde einen Partner mit derselben Zielstellung fand.
Dafür setzte in einigen Ländern der Welt (an erster Stelle Deutschland und Italien) eine vorher noch nie dagewesene zivilgesellschaftliche Solidaritätsbewegung ein. Ausgangspunkt war die Kindererholung (hier steht Italien an erster Stelle mit einem staatlich unterstützten Programm, das Familien und Institutionen bei der Finanzierung der Kindererholung in Italien hilft). Praktisch gleichzeitig mit den ersten Kindererholungsmaßnahmen im Ausland kam auch die humanitäre Hilfe für Belarus und die Ukraine in Fahrt. Hier steht die deutsche Zivilgesellschaft an der Spitze. Sie war deshalb gefragt, weil direkte finanzielle Hilfe von der Bundesregierung am Anfang nicht zur Verfügung stand. Allerdings hat es das Internationale Bildungs-und Begegnungswerk Dortmund (http://www.ibb-d.de/) vor mehr als 10 Jahren geschafft, das „Förderprogramm Belarus“ mit der Bundesregierung auszuhandeln. Das Förderprogramm Belarus ist ein zentrales Element deutscher Entwicklungszusammenarbeit in Belarus. Das IBB Dortmund setzt es im Auftrag der GIZ mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) um (http://www.ibb-d.de/foerderprogramm_belarus.html).

In Folge der Tschernobyl-Katastrophe entstand in Deutschland das Bundesamt für Strahlenschutz und einige Umweltorganisationen die sich nun intensiv mit den Folgen der ionisierenden Strahlung beschäftigten. Deutschlandweit entstanden ca. 800 Tschernobyl-Initiativen in unterschiedlichster Struktur und Mitgliederzahl. Es gab auch einige „Einmann-/Einfrau-Initiativen“. In Niedersachsen gibt es vier große Tschernobyl-Initiativen mit jeweils sehr unterschiedlichen Schwerpunkten:

1) Arbeitsgemeinschaft „Hilfe für Tschernobyl-Kinder“, der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers.
Seit 1991 gibt es die „Hilfe für Tschernobyl-Kinder“ in der Landeskirche mit dem Ziel, den durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl betroffenen Menschen (vor allen den Kindern) zu helfen. Anfangs wurden pro Sommer ca. 1000 „Tschernobylkinder“ (teilweise mit den Müttern) in Gastfamilien unterschiedlicher Kirchengemeinden und Kirchenkreise nach Niedersachsen eingeladen. Inzwischen ist die Zahl etwas rückläufig. Weitere Information:
http://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/ueberblick/8_diakonie/8_11tschernobyl

2) Stiftung des Landes Niedersachsens „Kinder von Tschernobyl“.
1992 beschloss der Niedersächsische Landtag fraktionsübergreifend und einstimmig die Gründung der Landesstiftung „Kinder von Tschernobyl“. Die erste Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung war von 1992 bis 1997 Frau Hiltrud Schröder. Die Stiftung beschränkt sich auf medizinische Hilfe im Zusammenhang mit Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenkrebs. Die Stiftung liefert Ultraschallgeräte in die Krankenhäuser vor Ort und lädt belarussische Ärzte zur Fortbildung nach Deutschland ein.
Weitere Informationen: http://www.tschernobyl-stiftung.de/:

3) JANUN e.V. / Hannover … (Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen).
JANUN e.V. ist der regionale Dachverband der Jugendumweltinitiativen in der Region Hannover, zu denen sich die BUNDjugend, die Naturschutzjugend im NABU oder auch die Deutsche Tierschutzjugend zählt. In diesem Sinne ist JANUN e.V. in der Jugendarbeit rund um die Themen des Natur – und Umweltschutzes tätig. Auf der Homepage des Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen (www.janun.de/) bekommt man einen Eindruck über die vielfältige politische Arbeit im Zusammenhang mit Natur- und Umweltschutzprojekten. Auf dieser Homepage spielt die Tschernobyl-Arbeit eine untergeordnete Rolle. Lediglich die Einladung zu einer Belarusfahrt weist auf diese Arbeit hin:
http://www.janun.de/veranstaltungen/kalender/fahrt_nach_belarus
Allerdings hat JANUN e.V. noch eine zweite Homepage, die sich ausschließlich mit der Tschernobylarbeit beschäftigt. Die „OstWestBruecke“ (Informationen und Projekte zu Tschernobyl und Weißrussland). Siehe http://www.ostwestbruecke.de/
Auf dieser Homepage wird auch das belarussische Strahlenschutzinstitut BELRAD und die Zusammenarbeit JANUN / BELRAD vorgestellt. 1995 begann das Engagement in Osteuropa von JANUN e.V. Zum 10. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe lud JANUN e.V. 5 StudentInnen aus Weißrussland ein, die drei Wochen lang in niedersächsischen Schulen über die aktuellen Folgen der Tschernobylkatastrophe berichteten. Dies löste eine Welle der Solidarität, Hilfsbereitschaft und Neugierde aus. Das meiner Ansicht nach wichtigste Projekt das in diesem Zusammenhang entstand, ist das Messstellen-Projekt (Lebensmittelmessungen in Dorfschulen). Neben der Möglichkeit, Produkte aus dem eigenen Garten messen zu lassen, wird den Menschen auch vermittelt, wie sie sich vor Strahlung schützen kann und wie kontaminierte Lebensmittel evtl. doch noch genießbar gemacht werden können.

4) Die Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V.
Die Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V. wurde von mir am 11.04.1994 gegründet. Ich war von der Gründung an der Vorsitzende, meine Frau die Geschäftsführerin, bis wir uns aus unterschiedlichen Gründen 2011 nicht mehr als Vorsitzender und Geschäftsführerin zur Verfügung stellten und den Verein auflösten.
Die Homepage der damaligen Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V. ist noch als Archiv vorhanden:
http://www.tschernobyl-initiative.welcomes-you.com/
Schon drei Jahre vor der Vereinsgründung waren wir im Rahmen der Ev. Jugend mit Tschernobyl-Aktionen beschäftigt.
1990 bis 1992 haben sich vier Jugendwartkollegen aus der Ev.-luth. Landeskirche Braunschweig zu einer gemeinsamen „Tschernobyl-Zusammenarbeit“ entschlossen. In diesen zwei Jahren fanden hier die ersten Kindererholungsmaßnahmen statt. Die humanitäre Hilfe startete unmittelbar nach Abschluss der ersten Kindererholungsmaßnahme mit einem Hilfstransport mit Lebensmitteln in der Größenordnung eines VW-Busses mit Anhänger, den zwei meiner Kollegen durchführten. Bei diesem ersten Besuch in Belarus knüpften die beiden Kollegen über die Dolmetscherin der Kindererholung, die auch den Hilfstransport vor Ort (Verteilung) organisierte, einen Kontakt zu einem Studentenchor, der noch im selben Jahr sein erstes Konzert in Deutschland gab. Ich selbst war (zusammen mit meiner Frau, zwei Kollegen und zwei jungen Erwachsenen) bei einem Hilfstransport mit drei VW-Bussen mit Anhängern 1992 das erste Mal in Belarus und knüpfte Kontakt zur belarussischen Blindengesellschaft und dem dort beheimateten Blindenchor. Der Blindenchor war 1993 das erste Mal zu einem Konzert in Deutschland / in unserer Region. 1993 startete ich im Rahmen der Propsteijugendarbeit eine eigenständige Tschernobyl-Initiative und die erste Kindererholung fand in diesem Rahmen statt. Daraus folgte dann 1994 die Vereinsgründung. Anfang 1994 gab ich meine Arbeitsstelle als Jugendwart auf und trat in den Dienst der Landeskirche. Die im Rahmen der Jugendarbeit aufgebaute Tschernobyl-Initiative in Schöppenstedt konnte nun nur durch eine Vereinsgründung fortgeführt werden. Meine neue Dienststelle unterstützte auch ein Tschernobyl – Projekt (deutsch-belarussisches Kindererholungsheim für Tschernobylkinder „Nadeshda“) und so konnte ich hier meine Erfahrung aus der bisherigen Tschernobyl – Arbeit einbringen und manches miteinander verknüpfen. Außerdem ergaben sich im Landeskirchenamt zahlreiche Möglichkeiten zur thematischen und praktischen Tschernobyl-Zusammenarbeit. So fand ich einen Unterstützer im Umweltbeauftragten der Landeskirche. Große Unterstützung und Zusammenarbeit erfuhr ich auch im Amt für Religionspädagogik und der Medienstelle. Der Rahmen würde hier gesprengt, wenn ich ausführlich die aus dieser Konstellation entstandenen Aktionen darstellen würde. Stichwortartig seien genannt:
– Informations- und Begegnungsfahrten nach Belarus                     -Expertenreise in die Ukraine und Belarus (Mit  Medizinern, Theologen und Strahlenschützern [Das Blog-Titelfoto entstand bei dieser Reise])                                                                                              -Zweiwöchige Handwerkereinsätze in Nadeshda mit deutschen Handwerkern
– Deutsch-belarussischer Lehreraustausch
– Deutsch-belarussischer Berufsschüleraustausch mit Arbeitseinsätzen in Belarus und Deutschland
– Ausstellungen mit dem belarussischen Fotografen Anatol Kliashchuk
– Dokumentationen und Arbeitshilfen für den Unterricht
– u.v.m.

Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Ruhestand und den fortwährenden Problemen im Vorstand der Tschernobyl-Initiative hatte ich den Entschluss gefasst, nicht mehr als Vorsitzender für die von mir gegründeten und über 17 Jahre ununterbrochen geleiteten Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V. zu kandidieren. Den Plan, im ersten Ruhestandsjahr mit einem Sabbatjahr eine Orientierungspause einzulegen, konnte ich zwar nicht durchhalten, aber aus der (pseudo-) Neuorientierung wäre möglicher Weise eine Unterbrechung geworden, bei der ich vielleicht den Anschluss an mögliche Projekte verloren hätte.
Nach Vereinsauflösung arbeitete ich weiter am Thema Tschernobyl – nun mit dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund und der Ev. Akademie in Braunschweig.
Ende 2012 gab es ein entscheidendes Gespräch mit dem Internationalen Bildungs-und Begegnungswerk Dortmund, die Anfang 2012 mit den „Europäischen Aktionswochen für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ starteten. Ich bemühte mich erfolgreich um einen Trägerkreis für die Region Braunschweig mit dem ich 2013 in der Region Braunschweig in diesem Rahmen Veranstaltungen organisierte. Die Europäische Aktionswoche für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima/ Region Braunschweig wurde 2015 auch im Internet dokumentiert:
https://zukunftdanach.wordpress.com/
Derzeit bin ich/sind wir mitten in den Vorbereitungen für die Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem 30. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe und dem 5. Jahrestag der Fukushima-Katastrophe (2016).

Abschließend und Zusammenfassend muss ich sagen: Die Ereignisse 1986 im Zusammenhang mit den Nachrichten über die Auswirkungen der Tschernobyl-Katastrophe hier bei uns in Deutschland haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Vor allem die Beschäftigung mit der Frage, ob der Aufenthalt für Kinder im Freien (hier bei uns) eine Gesundheitsgefährdung bedeutet, war für mich sehr nachhaltig. Als es drei Jahre später geboten erschien, Kinder aus verstrahlten Gebieten rund um den havarierten Tschernobyl-Reaktor für 4 Wochen zur Erholung einzuladen, waren meine Kollegen und ich sofort bereit, dies im Rahmen unserer beruflichen Arbeit (und darüber hinaus) mit ins Programm zu nehmen. Wie oben beschrieben, begann bei uns unmittelbar die Arbeit mit den sogenannten „Tschernobyl- Kindern“ und entsprechenden und den beschriebenen Folgeprojekten. Dem Besuch der Kinder folgten Gegenbesuche von Gastfamilien und Informationsfahrten (1998 mit Umweltbeauftragten, Theologen, Sozialarbeitern, Medizinern und Strahlenschützern).
Aus Bekanntschaften wurden Freundschaften. Mit jedem Besuch und Gegenbesuch gab es neue und vertiefende Erkenntnisse. Tschernobyl darf nicht vergessen werden und dennoch drohte es im öffentlichen Bewusstsein mehr und mehr an Bedeutung zu verlieren. Einen Monat vor dem 24. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe ereignete sich die Tepco-Katastrophe im japanischen Fukushima. Nun war plötzlich auch Tschernobyl in den Medien wieder sehr präsent. Deutschland beschloss als Konsequenz der Tepco-Katastrophe die Energiewende. Leider ist Deutschland das einzige Land mit einer so weitreichenden Entscheidung. Weltweit sind einige Atomkraftwerke am Netz oder in Planung/im Bau. Auch die EU unterstützt und forciert die Kernkraft aus Angst, dem Energiehunger sonst nicht gerecht werden zu können.
Es gibt Alternativen zur Kernkraft – und die Forschung ist noch lange nicht am Ende. Es ist wichtig, Tschernobyl und Fukushima nicht zu vergessen und mit dem Lügen-Märchen der sauberen und billigen Kernenergie abzuschließen!

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2 Gedanken zu “Weltuntergangsstimmung

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