Treffpunkt Friedhof

Im Zusammenhang mit den Berichten aus diesem Blog „Tschernobyl-Erinnerungen“ verfasse ich am heutigen Totensonntag 2019 ein Beitrag, der aus dem Treffen einiger Autoren die ihren Beitrag im April in der Trinitatiskirche vorgestellt hatten, zurückgreift mit dem Titel: Treffpunkt Friedhof.
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Zunächst aber zurück zum Ausgangspunkt dieses Berichtes:              Anna Fitseva und Svetlana Margolina waren für eine Woche im Rahmen der „Europäischen Aktionswochen für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ (EuAW) / Region Braunschweig. Beide waren als „Tschernobyl-Zeitzeugen gekommen, aber auch als Autoren von „Tschernobyl-Erinnerungen“. Ursula Gelis hatte neben den beiden Belarussinen sicher den weiteste Anreise zu der Autorenlesung in Wolfenbüttel und kam deshalb schon einen Tag vor der Veranstaltung und blieb ein paar Tage länger um am weiteren Programm der EuAW teilzunehmen, aber auch um weitere Informationsbesuche im Rahmen „Weltatomerbe Braunschweiger Land“ zu machen. Dazu am Ende dieses Berichtes ein kleiner Fotobericht.        Am Vorabend der Autorenlesung waren Anna Fitseva, Svetlana Margolina und Ursula Gelis ganz alleine in ihrem Quartier, dem Gästehaus der Ev. Akademie Braunschweig. Gute Gelegenheit um über dies und das zu sprechen – natürlich, alle drei waren  Autoren von „Tschernobyl-Erinnerungen“ – was liegt näher um dann im Laufe des Abends natürlich auch auf das Thema Tschernobyl zu kommen. Ursula Gelis schrieb später über diesen Abend einen sehr interssanten Bericht: Treffpunkt Friedhof – Begegnung auf verstrahlten Boden – Ursula Gelis –. Diese Zeilen berührten mich sehr. ich wollte den Grundgedanken „Treffpunkt Friedhof gerne einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und verfasste (in Absprache mit Ursula Gelis und Anna Fitseva/Svetlana Margolina) einen überarbeitetn Pressebericht, den ich aber sinniger Weise für den heutigen Totensonntag zuzrückgehalten habe: Auszug Treffpunkt Friedhof -AKJ-.  Leider hat nur eine regionale Werbeizeiutung, der Stadtspiegel Schöppenstedt den Bericht aufgenommen. Stadtspiegel Schöppenstedt November 2019. Da es auch einen Zusammenhang zu Fukushima gibt, ist auch dort in abgewandelter Form über „Treffpunkt Friedhof“ zu lesen: https://akjapan.home.blog/2018/12/30/aktuelles-aus-dem-arbeitskreis-japan/.
Hier der versprochene, kleine Fotobericht über die Woche von Anna Fitseva und Svetlana Margolina und die Besuchstage von Ursula Gelis und weiteren Autoren:
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von links: 21.04. Ankunft Flughafen Hannover; Erster Abend im „BUZBAG“ mit Fam. Koch;  22.04. Mühlenmuseum Gifhorn; 23.04. Besuch Physikalisch Technische Bundesanstalt und Goslar;
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25.04. Autorenlesung in der Trinitatiskirche in Wolfenbüttel – anschließend europaweite Kerzenaktion
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von links: 26.04. Andacht am Lutherbaum in SDalzgitter, anschließend Besuch im Info-Zentrum Schacht Konrad. An Abend Abschluss-Abendessen der Autoren (soweit sie noch nicht abgereist waren) bei Fam. Koch; 27.04. Besuch im Info-Zentrum Schacht Morsleben.

 

 

Autoren in der Region Braunschweig

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(Foto oben, von links:) Dr. Benno Dalhoff (Soest), Anna Fitseva (Brest/Belarus), Svetlana Margolina (Misnk/Belarus), Gabi Dalhoff (Soest), Guido Bürkner (Frankfurt), Ursula Gelis (Oslo/Norwegen) und Toyo Washio (Düsseldorf).  Foto unten mit Projektleiter Paul Koch.
Anlässlich der Autorenlesung mit Musik am 25.4.2019 in der Trinitatiskirche Wolfenbüttel trafen sich einige Autor*Innen der „Tschernobyl-Erinnerungen“. Die beiden Fotos entstanden kurz vor den Veranstaltungen in der Triniatiskirche Wolfenbüttel. Kurze Zeit nachdem diese Fotos entstanden, stieß der II. Botschafts-Sekretär Sergei Andrushkevich (Botschaft der Republik Belarus/Berlin) zu der Gruppe. Zur Autorenlesung kam noch Kai Boever mit dazu. Jürgen Menge musste kurgfrisdtig aus Krankheitsgründen absagen. 
Ausführlich Beschreibung der Autorenlesung und dem Besuchsprogramm in der Braunschweiger Region finden Sie hier: https://zukunftdanach.wordpress.com/2018/10/21/euaw-2019-region-braunschweig/

 

 

Nachhaltiges Ereignis und Konsequenzen

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Oben genannte/gezeigte Autoren aus „Tschernobyl-Erinnerungen“ werden am 25.04.2019 in der Trinitatiskirche Wolfenbüttel (Am Holzmarkt 1)  5- Minuten-Auszüge aus ihren Berichten lesen.

Hier die entsprechende Ankündigung / Pressemitteilung:

An was erinnerst Du Dich, wenn Du an „Tschernobyl“ denkst?

 „Mach es wie die Sonnenuhr zähl die heitren Stunden nur“ ist nicht nur ein deutsches Sprichwort, sondern für viele auch eine Lebensphilosophie. Der Volksmund sagt aber auch: „Jedes Ding hat zwei Seiten“. So ist es auch mit dem Ereignis „Tschernobyl“: Viele Menschen wollen nichts mehr davon hören und mit der Zeit wird dieses Ereignis vergessen. Die Alltagsprobleme unterstützen diesen Prozess. Weiterlesen hier: 25.04.2019 – Nachhaltiges Ereignis – und die Konsequenzen
Hier die Autoren*Innen mit Ihrer Vita (aus dem Blog) und die aktuellen „Persönliche Konsequenzen aus Tschernobyl und Fukushima“: Persönliche Konsequenzen nach Tschernobyl und Fukushima -Autoren- 14.04.2019

Deutsch, Japanisch, Russisch, Englisch

Die „Tschernobyl-Erinnerungen“ werden derzeit aus der deutschen Ursprungsfassung auch ins Japanische, Russische und Englische übersetzt.

Die Übersetzungen sind ehrenamtlich erstellt und sind jeweils am Ende des jeweiligen Beitrages eingearbeitet. Zu aktuellen Anlässen, werden dann auch die übersetzten Beiträge gedruckt. Es wird bestimmt eine Weile dauern bis alle Beiträge in allen genannten Sprachen übersetzt sind.

Sollten sich noch ehrenamtliche Übersetzter zur Verfügung stellen wollen melden sie sich gerne bei paul.koch47[at]gmx.de.

Im Folgenden der Überblick über breits eingearbeitete, oder in Arbeit befindliche Übersetzungen.

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19 Tschernobyl-Erinnerungen jetzt auch als Buch

Cover - Tschernobyl-Erinnerungen 001

zum Verlag: https://www.frommverlag.de/catalog/details//store/de/book/978-620-2-44282-4/tschernobyl-erinnerungen?locale=de

oder hier:   Fromm-Verlag und Buchbestellung

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19 persönliche Erinnerungen an die Katastrophe von Tschernobyl von Menschen aus Deutschland, Belarus und Japan. Von Menschen die zum Zeitpunkt des Ereignisses Kinder und Jugendliche waren. Es berichten aber auch Erwachsene, die in ihrem privaten und beruflichem Umfeld mit den Auswirkungen dieses Ereignisses zu tun hatten und Konsequenzen ziehen mussten und teilweise (auch in Deutschland) von den Behörden dabei alleine gelassen wurden. Zu Wort kommt auch ein Liquidator, ein Fotograf und mehrere Lehrer, die unmittelbar im Sperrgebiet lebten und arbeiteten. An manchen Stellen kommen auch Japaner zu Wort, die im Zusammnhang mit Tschernobyl auch das Ereignis „Fukushima“ einbringen. Sie fragen sich ob die Gegenwart von Tschernobyl die Zukunft von Fukushima ist. Zum Schluss dann die Frage, was wir aus Tschernobyl gelernt haben. Dieses Buch ist aus einem Projekt im Internet entstanden. Siehe https://tschernobylerinnerungen.wordpress.com/

Tag des Kindes

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Vjatscheslav Pleskatsch

Vjatscheslav Pleskatsch war Ansprechpartner für die Auslandskontakte der belarussischen Blindengesellschaft und damit von Anfang an für die Zusammenarbeit mit der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V. zuständig – bis es einen Wechsel in der Leitung der Blindengesellschaft gab (darüber wird im Nachruf berichtet). Die Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V. fand mit „Hoffnung für die Zukunft“ und dem Leiter Michail Kaslowski einen angemessenen Nachfolger, bis sich die Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt 2012 nach 20 Jahren (3 Jahre im Rahmen der Ev. Jugend und 17. Jahre als Verein) aufgelöst hat.

Vjatscheslav Pleskatsch war mehrmals als verantwortlicher Ansprechpartner und Gruppenleiter zur Begleitung der vier- wöchigen Kindererholungsmaßnahmen der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V.  (über Spenden, Zuwendungen und Mitgliederbeiträge finanziert) in Deutschland.

 Im April 2001 wurde Vjatscheslav Pleskatsch (zusammen mit Dr. Mikhail Malko) im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt zum Ehrenmitglied ernannt.

Vjatscheslav Pleskatsch hat in der Anfangszeit der humanitären Hilfe einige Hilfstransporte mit Fahrzeugen der Blindengesellschaft begleitet. So wurde u.a. mit großem Aufwand ein Röntgengerät einer aufgelösten Arztpraxis in Schöppenstedt, vornehmlich aber Kleidung und Spielzeug, abgeholt.

Im Zusammenhang mit der Abholung von Hilfsgüter war Vjatscheslav Pleskatsch zusammen mit seiner Tochter Elena im Oktober 1996 etwas länger in unserer Region. Er berichtete im Rahmen einer Seniorenkreis-Leiter-Fortbildung und bei Gesprächen mit der Männerarbeit über die Sozialarbeit in Belarus.

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Folgende Begrüßungsrede von Vjatscheslav Pleskatsch anlässlich der Erholung für strahlengeschädigte Kinder aus Belarus im Falkenheim (im Haus Freundschaft, Groß Denkte/ Landkreis Wolfenbüttel) im Jahr 1996 fand ich im Archiv der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V.

 In dieser Begrüßungsrede und dem Nachruf im zweiten Teil wird sehr viel deutlich über die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe für Belarus, der Zusammenarbeit mit der Blindengesellschaft und vor allem mit Vjatscheslav Pleskatsch und Dr. Mikhail Malko (über letzteren hoffe ich in einem sep. Artikel berichten zu können).

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Lieber Paul und Irene Koch!  Liebe Mitglieder der Tschernobyl-Initiative! Liebe deutsche Freunde!

Im Namen der Eltern, deren Kinder nach Deutschland gekommen sind, möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen dafür bedanken, dass die Kinder jetzt die Möglichkeit haben, sich im Falkenheim zu erholen. Feste Freundschaft und gegenseitige Verständigung verbinden uns seit 6 Jahren. Mit Ihrer Hilfe sind Kinder der belarussischen Blindengesellschaft zum dritten Mal nach Deutschland gekommen. Dieses Mal sind es Kinder im Alter von 11 bis 15 Jahre. Sie sind aus Mogilew, Gomel, Mosyr und Minsk gekommen. Das sind Regionen, die von der Tschernobyl-Katastrophe stark betroffen sind. Die Eltern der Kinder sind Mitarbeiter der belarussischen Blindengesellschaft.

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Es ist sehr symbolisch, dass wir gerade an diesem Tag nach Deutschland gekommen sind, da bei uns die Sommerferien beginnen. Und es gibt noch ein Fest an diesem Tag. Der 1. Juni ist der Tag des Kindes. Es ist sehr angenehm, alle Ihre Sorgen um uns gerade an diesem Tag zu erleben.

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Heute leben in den Regionen Weißrusslands, wo die Radioaktivität 15 Curie pro km² beträgt, mehr als 6.000 Kinder mit ihren Familien. In den Regionen mit einer Verstrahlung von 5 – 15 Curie leben 75.000 Kinder. Dort wo die Verseuchung von 1 – 5 Curie pro km² beträgt leben 340.000 Kinder.

Es entstehen Probleme mit der Kindererholung in Belarus, weil sich viele Erholungsheime jetzt in den Gebieten befinden, die von der Tschernobyl-Katastrophe betroffen sind.

80 % der radioaktiven Teilchen, die durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl freigesetzt wurden, sind mit dem Regen über Weißrussland niedergegangen. Die Wälder Weißrusslands sind radioaktiv verseucht. Sehr stark sind folgende Regionen Weißrusslands von dieser Katastrophe betroffen: Das Gomel-Gebiet ist zu 67,4 % verstrahlt. Das Mogilew-Gebiet ist zu 49,1 %, das Brest-Gebiet zu 12 % und das Minsker Gebiet zu 10 %. verstrahlt.

Es werden verschiedene Maßnahmen in Weißrussland getroffen, die mit der Kindererholung verbunden sind. In diesem Jahr haben die Kinder die Möglichkeit sich in 59 Erholungsheimen zu erholen, die über 14400 Plätze verfügen. Es gibt auch Sanatorien für Erwachsene. Aber sie reichen nicht aus. In diesem Fall leistet uns Deutschland eine große Hilfe, und zwar die Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V.  Wir bedanken uns bei allen Mitgliedern der Tschernobyl-Initiative dafür.

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Aber wir befassen uns nicht nur mit Kindererholung. Unser Land ist heute in eine tiefe Krise geraten. Die Tschernobyl-Initiative hat in diesem Jahr für die belarussische Blindengesellschaft zwei Hilfstransporte geliefert. Das kostete ca. 25.000,00 DM. Schon 6 Jahre lang finden in der Umgebung von Braunschweig  die Konzerte vom Chor „Cantus“ (dem Chor mit Blinden und Sehbehinderten Menschen) statt. Die deutschen Familien, bei denen die „Tschernobyl-Kinder“ untergebracht waren, konnten auch – durch eine Einladung der belarussischen Blindengesellschaft – Weißrussland besuchen.

Unbenannt-26 Vjatscheslav Pleskatsch im Gespräch mit dem damaligen Landrat/ Landkreis Wolfenbüttel.   (Alle Fotos zu dem „Begrüßungs-Beitrag“ aus der Kindere3rholungsmaßnahme 1998)

Abschließend möchte ich sagen, dass ich fest überzeugt bin, die Kinder werden viel Informationen über Deutschland bekommen, Land und Leute kennenlernen, Schulen besuchen und gut nach Hause kommen.

Vjatscheslav Pleskatsch

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Vjatscheslav Pleskatsch ist leider viel zu früh und ganz überraschend gestorben. Hier der damalige Nachruf, der die deutsch-belarussische Zusammenarbeit und Freundschaft beschreibt:

Zur Erinnerung an Vjatscheslav Pleskatsch

Ich erinnere mich noch gut an das erstes Zusammentreffen von mir, Paul Koch, damals Vorsitzender der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V., und Vjatscheslav Pleskatsch, damals Reiseleiter für den Chor Cantus, den wir zu einer Konzerttournee in unsere niedersächsische Region eingeladen hatten. Wir trafen uns auf einen Parkplatz in Schöningen, weil der Busfahrer Schöppenstedt nicht fand. Obwohl wir vorher noch nichts voneinander wussten, war diese erste Begegnung geprägt von gegenseitiger Hochachtung und Freundlichkeit. Diese gegenseitige Hochachtung und Freundlichkeit zog sich wie ein roter Faden durch all unsere Begegnungen. Vjatscheslav Pleskatsch war nicht nur Reiseleiter vom Chor Cantus, sondern insgesamt unser Ansprechpartner für die belarussische Blindengesellschaft, mit der wir über 10 Jahre gute Kontakte pflegten. Humanitäre Hilfe, Kindererholung in Deutschland, Mutter und Kind-Kuren in Podjelniki und Fahrten der Tschernobyl-Initiative nach Belarus. Vjatscheslav war uns stets ein korrekter und aufmerksamer Ansprechpartner und Begleiter.

Von außen hatte ich wenig Einblick in die Struktur und Hierarchie der Blindengesellschaft, aber ich hatte manchmal den Eindruck, dass die von mir so hochgeschätzte Korrektheit von Vjatscheslav in der Blindengesellschaft nicht immer auf Verständnis stieß. Er hat sich aber nie bei mir beklagt oder gar schlecht über irgendjemanden in der Blindengesellschaft gesprochen. Bei einem Besuch in Deutschland mit einer Gruppe von Funktionären der Blindengesellschaft bekam ich dann aus nächster Nähe mit, wie Vjatscheslav unbegründet eines Fehlers bezichtigt wurde. Auch meine Intervention bewirkte nichts. Dieser Funktionär lies sich in seiner falschen Meinung nicht abbringen und macht Vjatscheslav das Leben schwer. Vjatscheslav ertrug dies und lies sich seine Überzeugung und Korrektheit nicht nehmen. Das Verhältnis zur Blindengesellschaft wurde zum Schluss auch für uns schwierig – was dann zur Trennung führte. Vjatscheslav hat dies sehr bedauert, aber er hatte Verständnis für unsere Entscheidung weil er die berechtigten Gründe dazu kannte.

Die Freundschaft zu Vjatscheslav und seiner Familie blieb bis zum Tod von Vjtscheslav bestehen und lebt in der Freundschaft zur Familie Pleskatsch weiter. Ich, Irene und meine Familie werden Vjatscheslav immer in guter Erinnerung behalten.

In die Freundschaft zur Familie Pleskatsch ist auch die Freundschaft zu Familie Malko eingeschlossen. Wie oft saßen wir (Irene und ich) bei unseren Besuchen in Belarus entweder bei Familie Pleskatsch oder bei Familie Malko zusammen. Immer waren dann die drei Familien (Plesktasch, Malko, Koch) in Freundschaft und Freundlichkeit zusammen. Es war für mich eine große Freude Vjatscheslav und Galina Pleskatsch, Mikhail und Raya Malko und weitere belarussische Freunde zu meinem 60. Geburtstag in Deutschland begrüßen zu können. Zu meinem 65. Geburtstag im September 2013 waren die belarussischen Freunde wieder bei mir – leider war zu diesem Zeitpunkt Galina ohne Vjatscheslav und in großer Trauer gekommen

Nun, an einem Tag wie heute denken wir besonders intensiv an Vjatscheslav. Wir denken aber auch an Galina Pleskatsch und an ihre Familie und Freunde. Wir wünschen Kraft mit der schwierigen Situation ohne Ehemann, Vater und Freund. Dennoch, das Leben geht weiter und so ist jeder Tod ein Hinweis und Aufruf zum Leben, so wie es in der Bibel heißt:

„Herr lehre uns bedenken dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden und leben.“ Psalm 90, 12                         

Diakon i.R. Paul Koch; Watzum, Niedersachsen; 2. April 2013

Im Folgenden Fotos von mehreren Kindererholungsmaßnahmen in Deutschland mit Beteiligung von Vjatscheslav Pleskatch.

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N.S.

Aus den zur Verfügung gestellten Texten suche ich mir immer eine passende Überschrift – die sich aus dem >Text ergibt – aus. In diesem Falle: „Tag des Kindes“.

Der „Tag des Kindes“ ist nicht nur eine Wert-schätzung der Kinder und unserer Zukunft, sondern eine grundsätzliche Wertschätzung des Lebens überhaupt.

Es prallen Welten aufeinander, wenn man die Berichte in diesem Blog liest und zur Kenntnis nehmen muss, dass die IAEO davon spricht, dass die Atomenergie-Wirtschaft einmal Tschernobyl pro Jahr verkraften würde. Welche Ignoranz dem Leben und der Kinder und der nachfolgenden Generationen gegenüber.

Wer wagt es, die IAEO zu entlarven als einen reinen Lobbyisten-Verein für die Atom-Industrie? Wer wagt es, sich für die Zukunft des Lebens einzusetzen?

Warum ist es für die Medien einfacher der IEAO, anstatt dem gesunden Menschen-verstand, zu glauben?

 

 

 

 

 

„Gefangene“ der Onkologie

Anatol Kljashtchuk  Anatol Kljaschtschuk

Anatol Kljaschtschuk war Teilnehmer zahlreicher Fotoausstellungen und Wettbewerbe. Besonders effizient ist seine Mitwirkung an  Projekten über die Auswirkungen der Tschernobylkatastrophe. Seine Sicht des Tschernobylthemas hat er in zahlreichen Fotos zum Ausdruck gebracht.Diese Fotoreportagen sind so aussagekräftig,  dass sie im UNO-Gebäude in NewYork (2001), im Palast der Leage der Nationen in Genf (2003), im Europarlament in Brüssel (2001), bei den Ausstellungen  „Europressefoto“   in Vilnius (1997), in Istambul (1998)  ausgestellt  wurden. Seine Fotos wurden in zahlreichen Ausstellungen von belarussischen Fotografen, sowie auch als  persönliche Ausstellungen neben Belarus in Belgien (2001), Dänemark (1994), Deutschland ( 1995,1997, 1998, 1999, 2000), Irland (1996), Japan (1995), Kanada (1994), Litauen (1997, 2002),Österreich (2000), Polen (1998), Russland (2001, 2002), in der Schweiz  (2003), in den USA ( 1991, 1994, 1996, 2001).
Anatoli Kljaschtschuk ist der  einzige Autor des Bildbandes „Unter dem Himmel von Belarus“, der als beste Ausgabe des Jahres 2003 genannt wurde.

Text und Fotos in diesem Beitrag wurden (fast ausschließlich) von Anatol Kljaschtschuk  für diesen Bericht zur Verfügung gestellt. Weitere Verwendung von Text  und Fotos nur nach Absprache mit Anatol Kljaschtschuk über Paul Koch (paul.koch47@gmx.de)

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Anatol Kljaschtschuk war Ehrenmitglied in der „TschernobylInitiative in der Propstei Schöppen-stedt e.V.“ (der Verein wurde 1994 gegründet und 2012 aufgelöst). In dieser Zeit hat er die Vereinsarbeit mit mehreren Ausstellungen zu den Themen „Tschernobyl“, „Schönheit Weißrusslands“ und „Tschernobyl-Kinder“ unterstützt.

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April 2006 - Braunschweig Ausstellung mit Michail Kaslowski-minsk  April 2006 - Braunschweig Ausstellung mit Dolmetscherin

IMG_9075 Ausstellung in Denkte 2011  5 Fotos von Paul Koch

 

Die folgenden zwei Beiträge waren Beiträge von Anatol Kljaschtschuk zu den jeweiligen Ausstellungen.
Beitrag I

„Mein Gott, warum leidet mein Kind?…“ Dies fragen weißrussische Mütter angesichts ihrer glatzköpfigen Söhne und Töchter. Sie bitten um Schutz und Rettung. In Gebeten –feste umarmend und zärtlich küssend… –   fragen die Augen der Mütter „Wofür tragen unsere Kinder dieses unerträgliche Kreuz?“. Sie stellen sich viele Fragen, auf die sie nur eine Antwort finden: „zum Tode verurteilt“. Ihre Kinder tröstend, gehen sie mit ihnen zusammen diesen dornigen Weg. Aber wer gibt den Müttern selbst Trost, den Mütter, die sich an die Hoffnung klammern, egal wie schwach sie ist, wer gibt ihnen Kraft zu kämpfen und mit diesen unheilbaren Wunden weiterzuleben?… In Weißrussland gab es noch nie so viele unglückliche Mütter wie in diesen Jahren nach Tschernobyl. In den Krankenzimmern dauert der unerklärte Krieg an. Vielleicht ist das das unsichtbare Gesicht unserer Tragödie? Zwanzig Jahre sind schon nach der Explosion auf dem Tschernobyl Atomkraftwerk vergangen, aber die Angst verlässt uns noch immer nicht, egal wie sehr wir uns bemühen die Vergangenheit zu vergessen… Die Zahl der Kinder mit unheilbaren Erkrankungen wird nicht weniger und niemand weiß, wessen Sohn oder Tochter das nächste Opfer sein wird…

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Die alte „Krebsstation“ mit den minderjährigen Patienten, in die ich gekommen bin, um erste Fotos zu machen, wird wahrscheinlich niemals aus meinem Gedächtnis zu löschen sein. Dort gab es so viel Trauer, Leere, Mitleid! … Verbände auf den von Hormonen geschwollenen Kindergesichtern, hinter denen man nicht mehr erkennen konnte, ob es ein Mädchen oder ein Junge war. Verurteilt zur tragischen Fortsetzung des Lebens, waren sie in Erwartung von irgendwas: einer weiteren Reihe der Chemotherapie, der nächsten Laboruntersuchung, der nächsten Operation. Und überall … Fiebermesser, Nachttöpfe, Watte, Blutgefäße für Transfusionen… Rollstühle und fahrbare Krankenbahren, die auf ihre nächste „Passagiere“ warteten. Puppen auf den Kanten der Nachttischchen. Und Ikonen mit Heiligen… auf den Kissen, Fensterbänken, überall… Untröstliches Weinen eines Kindes im Behandlungszimmer. Unerträgliche Stille im Reanimationszimmer, wo eben gerade der, mit Morphium beruhigte, nächste „Weggehende“ eingeschlafen ist. An den Kopfseiten der Betten beugten sich nachdenklich, wie im Gebet, die Ärzte. Traurige und müde Gesichter der noch ganz jungen Mütter über die Ruhe ihrer, mit Schläuchen am Tropf gefesselten, Kleinen wachend. Ich fühlte mich hier völlig hilflos. Und schuldig schon alleine dafür, dass ich keine passenden Worte des Trostes finden konnte. Mitleid und ein Protestgefühl führten mich immer wieder hierher. Ich verstand, dass ich kein Recht habe darüber zu schweigen.

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Das Tschernobylerbe wurde für Weißrussland mit einer Bevölkerung von zehn Millionen Menschen zu einer schweren Last. Ein Sechstel des Landesterritoriums, durch Radionuklide verseucht, ist zu einer Quelle höchster Gefahr geworden. Leider sprach man erst wesentlich spät darüber, als finstere Prophezeiungen von Ärzten und Wissenschaftlern in Erfüllung gingen. Lange wurden Schilddrüsenkrebs-kranke in dem Land, das 70% des radioaktiven Niederschlags des explodierten Reaktors abbekam, nicht als Tschernobylopfer anerkannt, ebenso wie verstrahlte Kinder, die nach der Katastrophe geboren wurden. Der Tschernobylfaktor wurde bewusst nicht berücksichtigt. Und junge sterbende Liquidatoren haben wahre Gründe für ihre Erkrankungen nie erfahren dürfen. Die tatsächliche Lage des Gesundheits-zustandes der Bevölkerung wurde stur verschwiegen. Und davon, dass zunehmende Erkrankungen des Immunsystems, Chromosomstörungen, angeborene Fehler, Funktionsstörungen der Leber und der Verdauungsorgane, Seh-störungen, Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats und des Nervensystems, sowie auch Leukämie und andere Erkrankungen direkt mit den Langzeitfolgen der Radioaktivität verbunden seien, konnte nicht mal die Rede sein.

Aber medizinische Einrichtungen waren überfüllt, und vor allem dort, wo Krebs und Leukämie untersucht wurden. Erst jetzt haben wir, einigermaßen aufgeklärte Menschen, haben keine Angst mehr die negative Auswirkung der Radioaktivität auf die Gesundheit besonders zu betonen. Damals redete man uns zu, dass keine Gefahr existiere und man keine Panik verbreiten solle. Und das, obwohl, die Tragödie nicht nur einzelne Opfer, sondern – eine ganze Generation bedrohte.

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Ich wollte mit meinen Fotografien diese Mauer des Schweigens zerstören und über die leidenden und sterbenden belorussischen Kinder berichten, und auch darüber, was in meinem Land nach der Havarie auf dem so leichthin erbauten Atomkraftwerk geschieht. Es war aber gar nicht leicht, da ich in meiner Heimat nicht immer das nötige Verständnis und Unterstützung fand. Viele in Belarus dachten, dass diese Probleme uns nicht mehr beträfen, dass Tschernobyl in der Vergangen-heit läge. „Deine Chronik schadet dem Image des Landes“, – warnten Beamte in Ministerien. „Man sollte nicht alles in finsteren Farben ausmalen. Nicht alle Kinder, die in Belarus sterben, sind Tschernobyl-Opfer“, – warfen Mediziner mir vor. „Auf diesen Fotografien herrscht zu viel Trauer“, sagte man in Museen und Galerien, als man mir Aufnahmen zurückgab. Zeitungen und Zeitschriften stimmten lustlos zu, meine Reportage und Artikel höchstens zum nächsten Jahrestag von Tschernobyl zu veröffentlichen.

Unterdessen befinden sich 3.000 Wohnsied-lungen auf verseuchten Böden. Dort leben heute noch fast zwei Millionen Menschen, eine halbe Million davon sind Kinder. Im Republik-anischen Endokrinologischen Zentrum für Schilddrüsenkrebs werden jährlich 1.000 Menschen operiert. Der bekannte belo-russische Wissenschaftler und Gründer dieses Zentrums, Jewgenij Demtschik, hatte Recht, als er vor den Gefahren der Radioaktivität für die Gesundheit warnte. Fast 100-mal ist die Zahl des Schilddrüsenkrebses bei belorussischen Kindern in der Zeit nach der Havarie gestiegen. Und dabei wurden in der ganzen Zeit vor Tschernobyl nur 8 Fälle diagnostiziert.

Bis heute bewahre ich eine Briefbeichte einer belorussischen Mutter auf. Ich habe ihn nach einer Tschernobyl-Ausstellung, auf der auch eine Fotografie ihrer Tochter gezeigt wurde, erhalten.

„… Meine Tochter Anastassia ist am 6. August 1995 gestorben. Sie war erst 7 Jahre alt. Sie wünschte sich sehr zu leben. Es tut mir weh, wenn ich mich an ihre Worte erinnerte, die sie eine Woche vor ihrem Tod gesagt hatte: „Mutti, und wenn ich plötzlich sterbe? Ich will nicht sterben. Ich möchte groß werden…“ Und jetzt lebe ich mit einem ständigen Schuldgefühl, dass ich sie krank geboren habe. Die Ärzte sagten, Nastja wurde mit angeborener Leukämie geboren. Aber erst jetzt verstehe ich, warum es geschah. Im Frühling 1987, bevor ich schwanger wurde, und im Sommer, als ich schon schwanger war, arbeitete ich in einem Leinen-betrieb. Man brachte Flachsstroh der Ernte von 1986 von den radioaktiven Feldern des Gomeler Gebietes. Und was wussten wir Einwohner des Witebsker Gebietes über Tschernobyl? Ich habe mir keine Gedanken zu jener Zeit gemacht, ich war damals 24 Jahre alt. Woher sollte ich irgendetwas über Folgeschäden wissen? Vielleicht ist meine Nastja auch nicht davon krank geworden, aber ich glaube, dass an allem dieser Tschernobyler Flachs die Schuld hatte. Die Tochter kam ins Krankenhaus mit Metastasen in den Lungen. Ärzte mussten eine sehr starke Chemotherapie verordnen und eine dringende Operation durchführen. Ich habe auf das Beste gehofft, aber kein Präparat war stark genug im Kampf gegen die Zellen des bösartigen Tumors. Wenn mir der liebe Gott bloß Zeit gegeben hätte, hätte ich wahrscheinlich irgendetwas gefunden, um sie zu retten. Aber die Krankheit entwickelte sich schnell und ein paar Wochen später ist meine Tochter „gegangen“. In der letzten Nacht, als sie keine Luft mehr bekam und es ihr sehr schlecht ging, sagte sie: „Und warum bloß bin ich überhaupt geboren worden!“ Und ich rannte im Krankenzimmer herum, sie auf den Armen haltend, und konnte ihr nicht helfen. Mein Leben lang werde ich ihre weitgeöffneten Augen nicht vergessen, die vor Schrecken und Angst angesichts des nahen Todes erfüllt waren. Alle, die kamen, um sich von Nastja zu verabschieden, sprachen davon, dass Nastenjka sie anschaute, als ob sie um Hilfe gebeten habe und sie nicht allein zu lassen. Auf ihrem Gesicht blieb ein Ausdruck tiefer Trauer, ein Ausdruck des Gefühls der Ungerechtigkeit, als sei es ein Vorwurf an uns, die Lebenden, dass das Schicksal so hart mit ihr umging. Ich danke Ihnen, dass Sie kranke Kinder fotografieren, darüber schreiben und Ausstellungen machen!“

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Aber irgendetwas läuft verkehrt. Immer öfter höre ich, dass Tschernobyl schon Geschichte sei. Man sagt, dass das Atomkraftwerk geschlossen sei, Einwohner seien aus der Zone umgesiedelt worden, welche Gründe gebe es noch zur Besorgnis? Ich wünschte mir sehr, es sei so! Es gäbe kein langes Umherirren durch Krankenhäuser, keine „Todesurteile“ würden verhängt und Eltern müssten ihre Kinder nicht beerdigen. Nur Katastrophen verschwinden nicht auf unseren Wunsch. Tschernobyl lebt und ist weiterhin gefährlich. Es ist noch nicht die Zeit des Zerfalls von Cäsium, Strontium und Plutonium gekommen. Und der zerstörte Reaktor ist heute noch immer eine Gefahrenquelle. Wenn Leute davon reden, dass Tschernobyl sie nicht betrifft, scheint es mir, dass sie einfach dieses Leid nie gesehen haben, das schon tausende belorussische Familien traf, von denen sich der Tod das Leben ihrer Kinder und Enkel geholt hat. Und welche Zukunft erwartet die, die gezwungen sind, in den Risikozonen in Gomel und Mogiljow, Brest und Polessja und sogar in den, weit von Tschernobyl entfernten, Regionen wie Minsk und Grodno weiter zu leben?…

Die Fotografien entstanden in schwerer und langer, fast 15 jähriger Arbeit. Man konnte diese Aufnahmen nicht machen ohne Liebe und Mitleid zu diesen Kindern, ohne Freude für ihre Erfolge und ohne Besorgnis um ihr Schicksal. Und diese Umgebung, in der sie sich lange Monate aufhielten, musste ich so hinnehmen, wie sie war. Beim Verlassen der Krankenhäuser war es unmöglich nicht an diese Jungen und Mädchen zu denken, deren Zustand sehr kritisch war: „Werde ich sie in ein paar Tagen lebend sehen?“ Einfach Zeitzeuge zu bleiben gelang es mir nicht. Ich wollte es auch nicht. Es waren doch nicht einfach nur Gesichter, Tränen, Blicke von Verurteilten, Leiden… Diese Geschichte der tragischen Zeit besteht aus konkreten Menschen. Ich möchte, dass man sich an sie erinnert.

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Text und Fotos in diesem Beitrag wurden von Anatol Kljaschtschuk  für diesen Bericht zur Verfügung gestellt. Weitere Verwendung von Text  und Fotos nur nach Absprache mit Anatol Kljaschtschuk über Paul Koch (paul.koch47@gmx.de)
Beitrag II

Heute ist für mich ein ungewöhnlicher und glücklicher Tag. Ich treffe mich mit einem ehemaligen „Gefangenen“ der Onkologie. Es ist fast 15 Jahre her, seit wir uns zuletzt gesehen haben – seit der Zeit, als ich ihn – mit kahlem Kopf, in eine Wattedecke eingewickelt und an einem Tropf hängend – unter vielen anderen schwerkranken Jungen und Mädchen in der Klinik in Barauljany fotografiert habe. Damals hatte er Leukämie und lag im Sterben. „Tschernobyl-Kinder“ hat man kranke Kinder wie diesen Jungen früher genannt und nennt sie auch heute noch so. Wie viele von ihnen haben diese Räume, von den Qualen der Krankheit entkräftet, nicht mehr verlassen? Dieser aber hatte Glück. Ein Glückskind! Nun traf ich einen ganz anderen Menschen – einen großen, gut gebauten und gut aussehenden Jungen mit Feuer in den Augen – nichts verriet mehr, was er durchgemacht hatte. Er studiert an der Universität in Mogiljow, wird Ingenieur, hat viele Freunde, ist verliebt. Ein ganz normaler Bursche wie alle anderen, einer aus der neuen Generation, dem das Recht gewährt ist, sein Leben selbst zu gestalten. Natürlich freue ich mich über solche Begegnungen, obwohl sie noch nicht sehr häufig sind. In ihnen sehe ich den Sinn meiner vieljährigen Wanderung durch die trüben Krankenhausflure der Krebsabteilungen, in denen Kinder im Sterben lagen. Dutzende und Hunderte… Sie rechtfertigen meine Einmischung in fremde Leben und in fremden Schmerz, in den Bereich, zu dem selbst die engsten Verwandten keinen Zugang haben. Ob ich je gedacht und gehofft habe, dass ein solcher Tag kommen wird? Heute fällt es mir schwer das zuzugeben, aber damals habe ich daran einfach nicht geglaubt.

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Ein kleines Zimmer mit einem Fenster. Vier Betten, neben jedem eine Tropfflasche. Es sind viele Menschen im Zimmer. In jedem Bett liegt ein Kind. Daneben sitzen die Mütter. Im Zimmer ist es unnatürlich still. Die Kinder mit ihren wegen der Hormonbehandlung blassen und geschwollenen Gesichtern und zerstoch-enen Armvenen liegen regungslos da. Die Mütter verfolgen, wie durch die durchsich-tigen Schläuche chemische Lösungen tropfen. An ihrer gebeugten und erschöpften Haltung sieht man, dass sie schicksalsergeben und müde sind. Angstvolle und schwere Gedanken, die man unschwer an ihren traurigen und verweinten Augen ablesen kann, gehen ihnen durch den Kopf. Die Hoffnung, selbst die letzte, gibt ihnen Kraft. Sie haben sich darauf eingestellt, so lange zu warten wie nötig. Dies gehört zur Urbestimmung der Mutter. Das gleiche Bild sah ich auch im Nachbarzimmer, hinter der Wand, und im nächsten und auch in den gegenüberliegenden Räumen.

Inzwischen begannen die Chirurgen im Operationssaal mit der Entfernung der Niere bei einem dreijährigen Jungen… Dies sind zum Sterben verurteilte Kinder. Verurteilt durch etwas Unbekanntes und Unsichtbares. Die Ärzte kämpfen um das Leben dieser Kinder so gut sie es nur können, und die Mütter hoffen auf ein gütiges Schicksal. Einmal wurde ich ungewollt Zeuge, wie eine junge Mutter ihre kleine Tochter küsste, und dem Arzt nicht glauben wollte, dass die Lebenstage des Mädchens gezählt seien. Diese Familie aus einem entlegenen Tschernobyl-Dorf in diesem schlecht ausgestatteten Zimmer des alten Krankenhauses wurde für mich zum Symbol eines ungebrochenen und unbezwingbaren Glaubens in der Konfrontation mit dem Leid von Tschernobyl. Dieses kleine Mädchen war erst zwei Jahre alt – genauso alt wie die Tschernobyl-Katastrophe.

Unglaublich und unbegreiflich entwickelte sich die Lage in Belarus nach Tschernobyl. Zehn Jahre lang wurden in dem Land, in dem 70 Prozent der radioaktiven Wolke niederge-gangen sind, Menschen mit Schilddrüsenkrebs nicht als Opfer der Atomkatastrophe anerkannt. Auch nicht die kranken Kinder, welche vor oder nach dem GAU geboren wurden. Die Gesellschaft musste erst noch ihr Recht auf Gerechtigkeit und Wahrheit erkämpfen. Und sie erkämpfte es geduldig und unter Schmerzen. Von anderen Krankheiten war überhaupt nicht die Rede. Die onkologischen Einrichtungen waren überfüllt. Heute sind wir etwas aufgeklärter und fürchten uns nicht, über die negative Auswirkung der Strahlung auf die Gesundheit des Menschen zu sprechen.

Damals aber wurde der Tschernobylfaktor absichtlich nicht berücksichtigt. Nicht nur einzelne Opfer, sondern eine ganze Generation wurde bedroht. Die ersten unschuldigen Opfer dieses Krieges waren Kinder. Wie kann man das spüren, wissen und sehen und dabei so tun, als ob nichts sei…

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Das Belarussische Zentrum für Schilddrüsenkrebs, das kurz vor der Tschernobyl-Katastrophe gegründet wurde, ist auch 20 Jahre danach mit Patienten – Kindern und Erwachsenen – gefüllt. Der Leiter und Gründer des Zentrums Dr. med. Jauhen Dzjamidtschyk hat als einer der ersten in Belarus vor dem schädlichen Einfluss der Tschernobyl-Strahlung auf die Gesundheit des Menschen gewarnt. In der Zeit nach Tschernobyl stieg die Zahl der an Schild-drüsenkrebs erkrankten belarussischen Kinder um das Fünfzigfache. Wurden inner-halb der 13 Jahre vor Tschernobyl nur 8 derartige Fälle registriert, so waren es in den 13 Jahren danach 726. Nach wie vor sind junge Menschen unter 35 besonders häufig betroffen.

Das Mädchen Nadseja Klimowitsch wurde zwei Jahre nach Tschernobyl geboren. Mit sieben Jahren diagnostizierten die Ärzte bei ihr ein Hirnödem und das Mädchen wurde in die Hämatologieabteilung in Minsk eingeliefert, wohin Kinder mit der Diagnose Leukämie aus ganz Belarus kamen. Die Behandlung war schwierig und langwierig – das Mädchen musste ein ganzes Jahr im Krankenbett verbringen. Als sie weder lesen noch schreiben konnte, hörte sie hier zum ersten Mal die ungewöhnlichen und unverständlichen Wörter: Tschernobyl, Strahlung, Strontium, Schilddrüse, Punktion, Biopsie, Krebs, Chemo-therapie, Intensivstation… Die Mutter war immer bei ihr. Aus irgendeinem Grunde aber wollte sie dem Mädchen nicht erklären, was diese Wörter bedeuteten. Die Mutter sagte auch nicht, warum Nastja, die Nachbarin aus dem Krankenzimmer, ohne sich zu verabschieden „nach Hause“ gefahren war. Am Tag zuvor noch hatten sie auf dem langen Flur miteinander gespielt und Puppen getauscht, aber gesagt hatte sie nichts. Und Witalik, der gleichaltrige Junge aus dem Nebenzimmer, ist auch verschwunden. Gestern fuhr man ihn auf dem Rollbett davon und danach hat sie ihn nicht mehr gesehen. Sie sah aber Nastjas Mutter, die weinte und ihr Gesicht in den Händen vergrub… Ganz schlecht wurde Nadseja dabei. Sie drückte sich noch enger an ihre Mutter. Die Anwesenheit der Mutter trug zur schnelleren Genesung des Mädchens bei. Glücklich kehrten sie nach Hause zurück – kein Tumor und keine Metastasen, die Befunde waren gut. Sie träumten, dass Nadseja endlich in die Schule gehen würde, freuten sich auf das Wiedersehen mit der Straße, dem Haus, der Verwandtschaft. Aber die Freude war nicht von langer Dauer, bald kam es zu einem Rückfall, der Zustand verschlechterte sich schlagartig und wieder musste sie dringend nach Minsk. In das bekannte Krankenhaus, auf die Intensiv-station… Diesmal waren die Anstrengungen der Ärzte erfolglos.

Der Tod von Nadseja ergänzte die tragische Liste der Krebsopfer und verfestigte im Bewusstsein den Gedanken, dass wir in einem Land der sterbenden Kinder leben. Noch viele werden wie die kleine Nadseja Opfer der Zivilisation werden. Allein der Gedanke daran ist schrecklich. Denn niemand weiß, wessen Sohn oder Tochter die Nächsten sein werden. Ich konnte dem Abschied von Nadseja nicht fernbleiben und hatte dazu auch moralisch nicht das Recht. Wir waren Freunde, während ihres Aufenthaltes im Krankenhaus hatte ich sie häufig fotografiert. Ich hatte es mit der Zuversicht getan, dass das Mädchen unbedingt gesund werden, ein interessantes und schönes Leben und ein glückliches Schicksal haben würde. Und dass ich sie wiederfinden und wieder Fotos mit ihr machen würde als Beweis für die glückliche Fortsetzung. Die Ärzte haben Nadseja oft Fotomodell genannt und die leichtgläubige Patientin nahm das Lächeln der Menschen in den weißen Kitteln dankbar als Hoffnung auf ihre schnelle Entlassung entgegen. Sie konnte die Tränen ihrer Mutter oft nicht verstehen – warum sagten denn die Ärzte solch schöne Worte… Weder der symbolträchtige tiefsinnige Name des Mädchens – Nadseja heißt auf Deutsch Hoffnung – noch die elterlichen Gebete, noch Bestrahlung und Chemotherapie haben das Mädchen gerettet. Es gab kein Wunder. Die schwere Krankheit bestätigte noch einmal, dass sie unheilbar ist.

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Nicht selten ist mir danach, alles hinzuwerfen. Insbesondere dieses Mal. Ich wollte meine Kamera an die Wand dieser Krebsklinik werfen und schreien wie ein Kranker. Ich wusste aber, dass Nadsejas Tod die Fortführung dieser traurigen Chronik nicht aufhalten durfte. Ich musste der Welt sagen, was mein Land durch die Katastrophe in diesem stümperhaft gebauten Kernkraftwerk erleidet… Und wieder begebe ich mich nach Barauljany – in das in-zwischen in ganz Europa bekannte Onkologie-zentrum, wo Schmerz und Tod, Hoffnung und Rettung einander auf bizarre Art begegnen und nebeneinander existieren. Jedes Jahr werden in Barauljany etwa 300 Kinder mit den verschiedensten onkologischen Erkrankungen des Blutes und des Körpers behandelt. Natürlich wird das Schicksal nicht allen von ihnen das Glück des Überlebens bescheren. Nicht alle von ihnen haben die gleichen Chancen, aber jeder hat hier die Möglichkeit zu kämpfen, etwas zu riskieren und etwas zu versuchen. Diese Klinik ist wie ein Schlachtfeld, auf dem ein unaufhörlicher, manchmal aber aussichts-, hoffnungs- und erfolgloser Kampf geführt wird. Solange jedoch die Mutter glaubt, hofft und betet, setzt sich dieser ungleiche Kampf fort. Ich würde den Tschernobyl-Müttern ein Denkmal setzen, den Müttern, die mutig diesen qualvollen Weg mit ihren todkranken Kindern durchleiden.

Unterdessen leben in den radioaktiv verseuchten Gebieten weiterhin fast zwei Millionen Menschen. Fast ein halbe Million davon sind Kinder. Das medizinische Register zeugt davon, dass sich in den betroffenen Regionen die Zahl von endokrinen Erkrank-ungen und Erkrankungen des Nervensystems verdoppelt hat. Die Zahl der Erkrankungen der Atmungsorgane stieg um 76 Prozent, die des Verdauungssystems um 79 Prozent, angeborene Missbildungen nahmen um 80 Prozent, onkologische Erkrankungen um 27 Prozent und Schilddrüsenkrebs um 30 Prozent zu. Bei 38 Krankheiten ist die Erkrankungs-häufigkeit bei Kindern gestiegen. Die Kinder-sterblichkeit hat sich verdreifacht. Die Be-völkerung in Belarus wächst nicht mehr. Selbstverständlich spiegelt sich in diesen traurigen Zahlen nicht nur Tschernobyl wieder. Die Strahlung war der Katalysator …

Daran, wann im Haus der elfjährigen Natascha zum ersten Mal das Gefühl nahenden Unheils auftauchte, kann sich keiner so richtig erinnern. Es war aber bestimmt nicht, als das Mädchen immer stärkere Schmerzen im Bein spürte: In der großen Bauernfamilie achtet man auf Klagen der Kinder nicht so sehr. Auch nicht, als das Mädchen wegen der Schmerzen in der Nacht nicht mehr schlafen konnte. Man dachte, das sei nur vorübergehend und werde von alleine wieder besser werden. Sie wurde ins Bezirkskrankenhaus gebracht, für alle Fälle gipste man das Bein ein. Vielleicht haben sie sich dann doch aufgeregt und das Unglück geahnt, als ein neunjähriges Mädchen aus der Nachbarschaft an Leukämie starb? Erst im Minsker Notfallkrankenhaus erlitt ihre Mutter einen Schock, als sie hörte, wohin ihre Tochter verlegt wird. Wer in Belarus wusste nicht, was Barauljany bedeutet? Dort wurde auch die schreckliche Diagnose gestellt: Krebs.

Hätte man das Bein gleich amputiert, würde man es heute vielleicht nicht mehr bedauern. Aber welche Mutter würde es nicht riskieren, bis zum letzten zu kämpfen? Zwei Jahre währte der schwere und dramatische Kampf ums Überleben voller Qualen, Leid und Tränen. Und die Onkologen unternahmen alles, was nur möglich war. Zur Zerstörung der Metastasen wurden Chemotherapie und Bestrahlung durchgeführt, Leber und Lungen operiert. Anstelle des kranken Knochenteils im Bein hatte man eine Plastikschiene eingesetzt. Eventuell hätte eine Operation im Ausland, wo die Medizin auf einem viel höheren Niveau ist, Schlimmeres verhindern können, aber wer hätte schon den einfachen und mittellosen Bauern geholfen? Die Beinamputation war unvermeidlich.

Nun ist Natascha ein anderer Mensch. In einem gewissen Sinne hat sie neu zu leben begonnen und sich befreit. Sie musste mit der Prothese neu Laufen, Schwimmen und Fahrrad fahren lernen. Sie musste wieder in die Schule gehen, im Haushalt helfen, sich um die Kleinen kümmern. Mit ihrer Situation hat sie sich abgefunden, mehr noch, sie hat sich hineingefühlt. Und nur selten sieht man in ihrem Gesicht einen schwermütigen Zug. Unüberwindbar blieb nur die frühere Angst vor einer ungewissen Zukunft. Denn über ihre Krankheit wusste sie buchstäblich alles. Nicht nur wegen ihrer fünfjährigen Erfahrungen in Barauljany. Sie wusste auch, dass in der letzten Zeit mehrere Personen aus ihrem Dorf an Krebserkrankungen gestorben waren. Und wer kann ihr sagen, was jetzt mit ihr und den anderen geschieht? Sie weiß nur eins – vor Tschernobyl gab es so etwas nicht. Und wenn dies nur den Menschen zustoßen würde! Auf der Kolchosenfarm in ihrem Dorf erkrankte eine ganze Herde Milchkühe an Leukämie. Und auch die Kälber, die sie zur Welt bringen, sind krank…

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Ich frage mich schon lange nicht mehr, wozu diese ganze schreckliche Chronik des Leidens und Sterbens der Kinder gut ist, ob es sich lohnt, sie fortzuführen, ob nicht bereits genug darüber gesagt und geschrieben, und genug fotografiert worden ist. Zunächst habe ich mir, als man mich mit all den Fragen „plagte“, ab und zu überlegt, ob man nicht tatsächlich „den Kurs ändern“ sollte, denn vom Traurigen hatte man wirklich genug. Aber die Gesellschaft entwickelt sich irgendwie sonderbar. Viele meinen schon, dass Tschernobyl der Ver-gangenheit angehört. Aus den um das unglück-selige Kernkraftwerk gelegenen Gebieten wurde die Bevölkerung ausgesiedelt, welche Gründe kann es also noch für Aufregung und unverhältnismäßige finanzielle Aufwendungen geben? Das stimmt auch. Die Leute, die so denken, scheinen aber mit dem Leid, das Tausende von Kindern und ihre Eltern heimgesucht hat, nicht konfrontiert worden zu sein. Natürlich ist es nach 20 Jahren nicht mehr aktuell, in der evakuierten Zone, die von Plünderern völlig ausgeraubt und durch Brände geschwärzt ist, nach den Tschernobylfolgen zu suchen. Tschernobyl lebt aber bereits in unseren Körpern, in unserem Blut und in unseren Knochen. Unser Sinnen und Trachten in Bezug auf Tschernobyl sollte sich auf das Problem der körperlichen Verfassung der Bevölkerung im Lande, das Problem der Gesundheit des Einzelnen und der ganzen Nation konzentrieren. Die menschenleere Zone, ob einem das gefällt oder nicht, wird lange noch unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ich selbst besuche diese Gebiete ab und zu auf der Suche nach eigentümlicher Exotik und Nervenkitzel. Die Zone bleibt Symbol für die größte Katastrophe, sie ist aber nicht das erste und nicht das wichtigste Zeichen dieser Katastrophe. Sie ist zwar der sichtbare Teil der Tragödie, aber es gibt einen anderen Teil, der aufgrund seiner zeitlichen Distanz nicht mehr für alle erkennbar ist.

Und ich weiß, wonach ich hinter dieser unsichtbaren Wand suche, die uns, die Gesunden und Glücklichen, die wir weder Traurigkeit noch Leiden kennen, von den-jenigen trennt, die bereits an den äußersten Rand der unheilvollen Todesgrenze ver-schlagen wurden. Ich weiß, was ich durch diese Fotos, auf denen Kinder, Patienten der medizinischen Forschungs-einrichtungen, ab-gebildet sind, sagen will, warum ich so viele Jahre in den Augen der Mütter den Vorwurf sehe, dass ihre Kinder „abgeschrieben“ sind, und warum ich mich schuldig fühle. Keiner hat mich gezwungen, das zu tun, keiner hat mich darum gebeten oder es mir befohlen. Es hat mir auch niemand verboten. Warum ist es aber so wichtig, dies zu wissen, zu sehen, zu fotografieren und anderen zu zeigen? Fotos, aufgenommen in den onkologischen Einricht-ungen, rufen statt positiver Gefühle Unruhe und Bangigkeit hervor und provozieren viele neue schwierige Fragen, eine davon kommt immer: Ist das wegen Tschernobyl? Selbst zwei Jahrzehnte reichten nicht aus, um die Frage, was mit uns geschieht, was uns in der Zukunft erwartet, genau zu beantworten. Und wo ist jene Grenze, hinter der es kein Tschernobyl mehr geben wird?

Text und Fotos in diesem Beitrag wurden von Anatol Kljaschtschuk  für diesen Bericht zur Verfügung gestellt. Weitere Verwendung von Text  und Fotos nur nach Absprache mit Anatol Kljaschtschuk über Paul Koch (paul.koch47@gmx.de)